Monthly Archives: Oktober 2014

Island!

Mit gemischten Gefühlen ging ich auf diesen Empfang auf der Krefelder Rennbahn. Der Herbstwind blies mir unerbittlich ins Gesicht, daran änderten auch die paar Gläser Wein wenig, die ich mir im Vorfeld gezwitschert hatte.

Irgendwie hatte ich nicht widerstehen können, zumal ich ahnte was für eine gekünzelte Gesellschaft mich erwarten würde, aber was tut man nicht alles auf dem Weg nach oben?

Ich jedenfalls eine Menge!

Nicht alles, aber viel und so schritt ich erhobenes Hauptes durch das Foyer in Richtung Veranstaltungssaal und da standen sie dann auch schon alle. Die Größen der Schulterklopfer-Gesellschaft hatten ihr Stelldichein gegeben. Kommunalpolitiker wie Industrielle, Einzelhändler wie Sportsleute, Tennis-  wie Charity-Club und mittdrin: ICH! Die Weltmacht mit 3 Buchstaben!

Gelangweilt nahm ich einen der von dauergrinsenden Damen angereichten Weissweine vom Tablet und liess meinen Blick durch den Raum schweifen. Totlangweilig! Bis auf die Dame mit dem weiten Ausschnitt, die mir unentwegt Blicke entgegenwirft. Sowas merke ich doch, ich kenne den Zirkus doch wie kaum einer anderer…..

Als das Buffet dann endlich eröffnet wurde, lud ich mir den Teller so voll es eben ging. Auch wenn jeder Gang schlank macht, ich sehe das eher pragmatisch.
Ich nahm Platz am Tisch und siehe da, gegenüber von mir saß die Dame mit dem weiten Ausschnitt mit ihrem Mann, einem bekannten Abgeordneten des deutschen Bundestags.
Geht doch! Nach kurzer Vorstellung (Namen tun hier nichts zur Sache) fing ich ein belangloses Gespräch mit Ihr über den letzten Urlaub an . Ich überlegte ob es interessant wäre über meine Woche in Domburg zu erzählen, entschied mich dann aber doch zu improvisieren und erst mal ein paar Fakten rauszuhauen.

„Island“, sagte ich bedeutungsschwanger. „Island ist mit rund 103.000 km² nach dem Vereinigten Königreich – der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat Europas….“

„Wie interessant,“ beugte sie sich nach vorne, während Ihr Mann neben Ihr mit den Gräten seiner Dorade kämpfte. „Darüber müssen Sie mir mehr erzählen, ich wollte dort schon immer mal hin.“

Ich dachte „Da geht was!“ und begann meine altbewährte Schiene. Auch wenn das Überleben bei bzw. unter Tisch nicht das einfachste ist auf solchen Parties streckte ich mein Bein aus.

Die Dame flüsterte ihrem Mann etwas zu. Er gab keine Antwort. Zu sehr war er mit dem Fisch auf seinem Teller beschäftigt und nach einem zweiten erfolglosen Versuch zischte sie. „Franz! Da ist etwas an meinem Bein!“ Doch Franz reagierte immer noch nicht nicht, während ich mich weiter vorarbeitete.
„Franz! An meinem Bein bewegt sich was!“ kreischte Sie nun.
Ihr Mann sah sie fragend an:“Immer noch? Das ist doch schon verwunderlich, nachdem alle am Tisch hier nun darauf aufmerksam geworden sind…“
Sein eisiger Blick fiel auf mich und ich begann rot zu werden. Ich stammelte:“Der Hund. Ich dachte der Hund…..“ und merkte dann auch dass weit und breit nicht ein einziger Hund auf der Veranstaltung zugegen war.
Im gleichen Moment standen wir hastig auf. Franz zeigte mit seinem Finger auf mich und zeterte:“Was fällt Ihnen…….ein?!?“ und krempelte auch schon die Ärmel hoch, während ich die Beine in die Hand nahm und loslief. Mit nur einem Schuh!

Haben Sie schon mal versucht mit nur einem Schuh zu laufen? Ich bin jedenfalls ins Straucheln gekommen und spürte als ich da so lag schnell die Knie des Abgeordneten auf meinen Schultern.
Er schrie:“Takt ist der auf das Benehmen angewandte gute Geschmack!“
Dann sah ich Sterne, er hatte mich tatsächlich K.O. Geschlagen…… Eiskalt….

Stille Wasser sind tief und Menschen die Sprichwörter benutzen, haben meist keine eigenen Ideen.